RP, 18.08.2026, Moers
Rüdiger Eichholtz mit Margret und Maren Ueltgesforth auf ihrem Hof. Foto: Elena Bongartz
Kultur auf Bauernhöfen
Höfefestival macht Bauernhöfe zu Konzertbühnen
Moers · Vom 23. August bis 6. September werden in Moers und Umgebung Höfe, Scheunen und Ställe zu Bühnen. Musik trifft auf Landwirtschaft. Was Besucher dort entdecken, geht über Musik hinaus.
Von Elena Bongartz
Wenn auf einem Bauernhof die Kühe im Hintergrund stehen, im Stall gearbeitet wird und wenige Meter weiter Musiker ihre Instrumente stimmen, entsteht eine ungewöhnliche Konzertkulisse. Genau diese Verbindung macht das Höfefestival im Kreis Wesel aus. Bereits seit sechs Jahren bringt die Veranstaltungsreihe Kultur dorthin, wo man sie vielleicht nicht unbedingt erwarten würde: auf alte Höfe, in Scheunen und auf landwirtschaftlich geprägte Gelände.
In diesem Jahr findet das Festival im linksrheinischen Teil des Kreises vom 23. August bis zum 6. September statt. Die Veranstaltungsorte wechseln dabei ständig. Die musikalische Reise führt von Kamp-Lintfort über Rheinberg, Moers und Neukirchen-Vluyn bis nach Sonsbeck, Alpen und Xanten. Jeder Hof bringt dabei seine ganz eigene Atmosphäre mit. Manche Höfe sind landwirtschaftliche Betriebe, andere haben Werkstätten, Museen oder ganz andere Schwerpunkte. Auf einigen Geländen gehören Kühe und Pferde zum Alltag. Veranstaltet wird das Festival vom Verein Kulturprojekte Niederrhein. Geleitet wird der Verein von Rüdiger Eichholtz.
„Rüdigers Hofmusik“
„Landwirtschaft wird durch die Konzerte sichtbar“, sagt Maren Ueltgesforth. Sie betreibt gemeinsam mit Margret Ueltgesforth den Ueltgesforth-Hof in Moers. Der Hof ist ein Familienbetrieb mit einer langen Geschichte. Das sogenannte Krauthaus besteht seit dem 17. Jahrhundert. Zum Hof gehören eine Pferdepension und Flächen in einem Wasserschutzgebiet – Grünland für das Futter der Pferde, sowie Flächen für den Anbau von Getreide und Mais. Gleichzeitig bietet der Ueltgesforth-Hof Gastronomie für Veranstaltungen an, beispielsweise für Geburtstagsfeiern. Am 25. August, 20 Uhr, wird der Hof zur Konzertbühne. „Rüdigers Hofmusik“ steht auf dem Programm, ein Format mit Popliedern, die neu arrangiert und erlebbar werden.
Die Idee hinter dem Festival stammt von Rüdiger Eichholtz. „Zu den Konzerten kommen viele Leute. Dadurch entsteht auch eine wirtschaftliche Kombination“, sagt er. Besucherinnen und Besucher lernen Orte kennen, die ihnen sonst möglicherweise verborgen bleiben, während die Höfe weiter betrieben werden können. Gleichzeitig profitieren die Veranstaltungen von der besonderen Kulisse, welche mit moderner Musik gemischt wird. 
Ein Teil des Hofs kann für Feiern und Veranstaltungen gemietet werden. Foto: Elena Bongartz
Touristischer Aspekt
Dabei gibt es nicht das eine typische Festivalgelände. Jeder Hof gestaltet den Abend anders. Manche verkaufen Produkte aus eigener Herstellung und manche bieten Hofführungen an. Gerade dieser persönliche Einblick ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Es sollen vor den Konzerten die jeweiligen Geschichten des Hofs erzählt werden und auch auf der Internetseite des Festivals finden sich Informationen zu den Geschichten und der Tradition der Höfe.
Die Veranstaltungen richten sich dabei nicht nur an Menschen aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch an Besucherinnen und Besucher von außerhalb. Rüdiger Eichholtz sieht deshalb auch einen touristischen Aspekt. Die Mischung aus Musik, Landschaft, Landwirtschaft und regionaler Geschichte macht das Festival zu etwas Besonderem. Wer zu einem Konzert kommt, erlebt nicht nur eine Band oder einen Musiker, sondern gleichzeitig Ort und dessen Geschichte.
„Etwas völlig Neues“
Bei den Veranstaltungen treffen sich nicht nur Kulturinteressierte, sondern auch Menschen aus der Landwirtschaft. „Auch ältere Landwirte kommen zu den Konzerten“, berichtet Eichholtz. „Sie finden das immer sehr spannend, da sie dadurch etwas völlig Neues auf den Höfen erleben.“
Ein Merkmal des Festivals ist, dass der Eintritt grundsätzlich frei ist. Statt eines festen Ticketpreises werden die Besucherinnen und Besucher um Spenden gebeten. Ein Teil der Finanzierung des Festivals erfolgt über Förderungen, etwa durch regionale Kulturprogramme. Das mache das Festival „niedrigschwellig“, sagt Eichholtz.
Musikalisch ist das Programm breit gefächert. Den Auftakt macht am 23. August, 18 Uhr, im Schirrhof in Kamp-Lintfort die Veranstaltung „Tanga Elektra“ mit Dvora Daris, Johannes Bär und André Meisner. Danach folgen unter anderem Konzerte von „Rüdigers Hofmusik“, dem Oddgeir Berg Trio, Jo Aldingers Downbeatclub, Synkope, dem Five Guys Quartett und Padista. Gespielt wird bei jedem Wetter.
Von Hof zu Hof Wandern
Eine weitere Besonderheit ist das „Wanderformat“ des Festivals. Am 29. und 30. August und am 5. September können Musikliebhaber von Hof zu Hof und von Konzert zu Konzert unterwegs sein. „Die Entfernung zwischen den Höfen beträgt teilweise rund 15 bis 16 Kilometer“, erklärt Eichholtz. Musiker begleiten die Touren. Informationen zu den Routen und Zielen sind auf der Internetseite des Festivals bereitgestellt. „Damit verbindet das Höfefestival gleich mehrere Dinge: Wandern, Musik, Kultur, Kulinarik und die Geschichte alter Höfe“, sagt Eichholtz.
Mehr Informationen und alle Daten und Orte des Festivals gibt es auf
www.kulturprojekte-niederrhein.de/events/2026-hoefefestival.
(ebo pogo)





