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KULTURPROJEKTE NIEDERRHEIN E.V. /// FÖRDERUNG REGIONALER VERNETZUNG AM NIEDERRHEIN

SCHON DABEI?

NRZ, 15.07.2026, Wesel/Dinslaken

Vorbereitungen auf ein Konzert mit abendlicher Musik: Nawab Khan (hinten links) & The Mantras spielen sich im Amphitheater der Freien Waldorfschule ein, während die ersten Besucher schon Platz genommen haben. Foto Bettina Schack

 

Das Publi­kum in Schwin­gung ver­setzt

 

Zum Abschluss der rechts­rhei­ni­schen „Hof­kon­zert“reihe gab es indi­sche Musik für Geist und Seele beim Open Air in der Freien Wal­dorf­schule.

Von Bettina Schack

Die bei­den San­toor - die indi­schen Vari­an­ten des Hack­bretts wie­der­ho­len ihr Fünf-ton-motiv mit hyp­no­ti­scher Kraft, umspielt vom war­men Klang der indi­schen Quer­flöte, Ban­suri, und rhyth­misch belebt durch das Fin­ger­spit­zen-spiel auf den Tabla. Das Publi­kum spürt die Wir­kung die­ses klas­si­schen Raga, wird von den Klän­gen in Schwin­gung ver­setzt wie die unzäh­li­gen Reso­nanz­sai­ten der bogen­ge­stri­che­nen Sarangi. Nawab Khan weiß um die Wech­sel­wir­kung der mathe­ma­tisch erfassba­ren Har­mo­nien und Rhyth­men und der Emo­tio­nen, die er, sein Sohn und seine zwei Nef­fen Musi­ker in der neun­ten und zehn­ten Gene­ra­tion - auf ihren Instru­men­ten und mit ihren Stim­men hör­bar machen. Und er weiß, dass diese Klänge eine heil­same Wir­kung haben.

Die klas­si­sche indi­sche Musik ist spi­ri­tu­ell, spricht Geist und Seele glei­cher­ma­ßen an. Sie steht im Ein­klang mit denen, die sie hören - und mit der Welt, sicht­bar und unsicht­bar, die sie umgibt. „Alles ist Schwin­gung - das ist Phy­sik, wis­sen­schaft­lich bewie­sen“, erklärt Nawab Khan, der es nicht bei dem in sei­ner Fami­lie seit 300 Jah­ren vor­ge­ge­ben Weg belas­sen wollte, ein guter aus­füh­ren­der Musi­ker zu sein. Er beschäf­tigte sich mit Naada Yoga, dem Yoga des Klan­ges, Musik­the­ra­pie, Neu­ro­wis­sen­schaft und den mathe­ma­tisch-phy­si­ka­li­schen Grund­la­gen der Musik. „Ich habe viel­leicht ein 100tel oder 1000tel des Geheim­nis­ses ent­schlüs­selt“, sagt er. Aber was er und sein Ensem­ble, Nawab Khan & The Man­tras aus der Jod­h­pur, der „blauen Stadt“in Raj­asthan, im klei­nen Amphi­thea­ter mit­ten im begrün­ten Hof der Freien Wal­dorf­schule in Epping­ho­ven in den Abend­him­mel spiel­ten, zog die Besu­cher des letz­ten der dies­jäh­ri­gen rechts­rhei­ni­schen „Hof­kon­zert“-reihe in den Bann.

Eigent­lich sind die Hof­kon­zerte der Kul­tur­pro­jekte Nie­der­rhein eine Jazz-reihe. Aber Rüdi­ger Eich­holtz hält auch Kon­takte zur klas­si­schen indi­schen Szene - schließ­lich spielt auch hier, im streng fest­ge­leg­ten und seit 1000 Jah­ren von Gene­ra­tion zu Gene­ra­tion münd­lich wei­ter­ge­ge­be­nen Rah­men, die Kunst der Impro­vi­sa­tion und der Inter­ak­tion eine wich­tige Rolle. So ist auch Nawab Khan nicht zum ersten Mal in der Reihe zu Gast, wohl aber in Dins­la­ken. 


INFO
Kon­zert­pläne für 2027
Die rechts­rhei­ni­schen Hof­kon­zerte sol­len 2027 einen stär­ke­ren Festi­val­cha­rak­ter bekom­men: Sie wer­den bei stei­gen­der Ver­an­stal­tungs­zahl auf den Zeit­raum zwi­schen dem 11. und 30. Juni gebün­delt. Aktu­elle Infos fin­det man dann online unter kul­tur­pro­jekte-nie­der­rhein.de.
Wer Nawab Khan 2027 live erle­ben möchte und nicht den Weg zu sei­nem eige­nen Festi­val im indi­schen Jod­h­pur auf sich nimmt, kann den San­toor-spie­ler in einem Cros­so­ver-pro­jekt beim Moers Festi­val erle­ben. Dort wird er mit einem ita­lie­ni­schen Orche­ster seine „Bud­dha Sym­phony“auf­füh­ren. 


Und hier ist es am Abend bereits das zweite Kon­zert. Bereits vor­mit­tags gab das Ensem­ble vor den Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Wal­dorf­schule ein zwei­stün­di­ges „Pau­sen­kon­zert“. Der Aus­tausch mit Schu­len gehört zum Kon­zept. Auch im ver­gan­ge­nen Jahr kam die Wal­dorf­schule schon in den Genuss indi­scher Musik - damals fand das abend­li­che Kon­zert aller­dings im Gar­ten des Hofs Emscher­mün­dung statt.

Bau­ern­hof, Schul­hof, Ate­lier­hof: Was bei den Hof­kon­zer­ten zählt, ist, dass es Orte sind, bei denen sich dank der För­de­rung durch das Land NRW, den Kreis Wesel und Spon­so­ren - Men­schen begeg­nen. Die Reihe ist auf der lin­ken Rhein­seite seit Jah­ren eta­bliert. Durch den Ein­stieg des Krei­ses wurde eine Aus­wei­tung auf die rechts­rhei­ni­schen Kom­mu­nen erfor­der­lich. Und diese sind in die­sem Jahr erst­mals alle dabei. Das Dymke/meis­ner Duo lockte zum Abschluss eines Gar­ten­fe­stes im Otto-pan­kok-museum Inter­es­sierte in Scha­ren an, am ver­gan­ge­nen Sams­tag spielte das Five Guys Quar­tett (sic!) Jazz­klas­si­ker bei selbst am Abend noch schweiß­trei­ben­der Hitze auf dem Tint­hof in Spel­len. Und da es sich im letz­ten Jahr abzeich­nete, dass der Hof Emscher­mün­dung wegen einer Bau­stelle wohl 2026 nicht zur Ver­fü­gung stünde, ergriff Matt­hias Moser, Leh­rer an der Wal­dorf­schule, die Chance, dass es auch abends ein Kon­zert im natur­nah gehal­te­nen Schul­hof geben sollte. Die Musi­ker saßen unten in der Mitte des klei­nen Amphi­thea­ters, das Publi­kum im Kreis um sie herum. Eine nah­bare Atmo­sphäre für ein Kon­zert ohne Beschal­lungs­an­lage, ein Erleb­nis, das glei­cher­ma­ßen künst­le­risch anspruchs­voll wie emo­tio­nal und echt war.

Die Musi­ker selbst lie­ßen sich von die­ser Atmo­sphäre lei­ten, der zweite Raga über­schritt den ursprüng­li­chen Zeit­plan um 15 Minu­ten. Nach der Pause inter­pre­tier­ten The Man­tras einen qaw­wali, Musik der Sufis in Indien, auf Publi­kums­wunsch. Musik als See­len­nah­rung an einem lauen Som­mer­abend. „Musik, von der man sich weg­tra­gen las­sen kann“, kün­digte Rüdi­ger Eich­holtz an, Nawab Khan sprach von „See­len­nah­rung“. Und das Publi­kum stimmte wohl bei­den zu.




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Kulturprojekte Niederrhein
Rüdiger Eichholtz
Ackerstraße 175
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