RP, 23.08.2026, Kamp-Lintfort
Das Samstag-Konzert mit (v.l.) „Tanga Elektra“ (hier die Brüder Elias und David Engler), André Meisner und Johannes Bär. Foto: Olafe Reifegerste
Kunst im alten Pfedestall
Fünftes Schirrhof-Festival macht Kamp-Lintfort zur Bühne
Das fünfte Schirrhof-Festival lockt in Kamp-Lintfort mit Kunst, Musik und Familienangeboten. Zwei Künstler setzen starke Kontraste.
Von Olaf Reifegerste
Seit 2021 ist der Schirrhof, der ehemalige Pferdestall der einstigen Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort, ein sogenannter „Dritter Ort“. In der Definition der NRW-Landesregierung bieten „Dritte Orte“ nämlich „Raum für Kultur, Bildung und Begegnung“, die es zu fördern gilt. Seit 2022 unterstützt der Verein Kulturprojekte Niederrhein die Stadt Kamp-Lintfort darin, neue Projekte auf dem Schirrhof-Gelände anzuschieben und zu etablieren. Eines davon ist das „Schirrhof-Festival“, das an diesem Wochenende zum mittlerweile fünften Mal dort stattfand.
Während der Samstag drinnen ganz im Zeichen einer abendlichen Vernissage und einem anschließenden Konzert stand, war der Sonntag ab der Mittagszeit draußen ein Fest für die ganze Familie. Dort gab es einen Kinderflohmarkt mit Kinderschminken und einer Hüpfburg, als auch verschiedene Kreativwerkstätten, bestehend aus einem Drechsler- und Stofftaschenbemal-Workshop sowie einem Workshop zur Parfümherstellung, die von einem Mitarbeiter der Hochschule Rhein-Waal geleitet wurde. Dazu sorgte ab 14 Uhr ein fünfteiliges Bühnenprogramm für reichlich Musik.
Bilderausstellung von Ingrid Lohmann-Küppers und Axel Markens 
Axel Markens und Ingrid Lohmann-Küppers inmitten ihrer Ausstellung „Zwei im Quadrat“. Foto: Olaf Reifegerste
„Zwei im Quadrat“ heißt die Bilderausstellung von Ingrid Lohmann-Küppers und Axel Markens, die im Veranstaltungsraum des Haupthauses vom Schirrhof hängt, und noch bis zum 21. November dort zu sehen ist. Eröffnet wurde sie am Samstagabend von Susanne Rous, der Amtsleiterin des Kulturbüros der Stadt Kamp-Lintfort, und Rüdiger Eichholtz, dem Vorsitzenden des Vereins Kulturprojekte Niederrhein, als Auftakt des Festivals. 
Insgesamt zehn Teilnehmer (acht Frauen, ein Mädchen und ein Mann) hatten großen Spaß am „Summer Perfume Atelier“
der Hochschule Rhein-Waal. Foto: Olaf Reifegerste
Lohmann-Küppers, die in Moers geboren ist und in Duisburg-Baerl ihr Atelier hat, ist studierte Textildesignerin, Kunsttherapeutin und Malerin. Die 19 ausgestellten, titellosen Arbeiten hat sie unter das Motto „Schatten, Lichtreflexe und Natur“ gestellt. „Ich arbeite mit verschiedenen Techniken und Formaten, mal mit Öl- oder Acrylfarben und mal auf Leinwand oder Papier“, erzählt sie. „Der überwiegende Teil der hier gezeigten Gemälde ist neueren Datums und bis auf zwei quadratisch.“ Durch das eigene Sehen und Erleben sowie durch innere Impulse entstehen ihre ausschließlich abstrakten Bilder, die einen ungemeinen Reiz auf den Betrachter ausüben.
Meditative, ornamentale Mikrobildwelten
Markens dagegen widmet sich in seinen 30 gezeigten Bildern meditativen, ornamentalen Mikrobildwelten, mal mit rundem, mal mit quadratischem Passepartout, in einem ausschließlich quadratisch-weißen Rahmen. Seine äußerst filigranen Collagen entstehen mittels Farbstifte und Tusche unter Verwendung von Feuerahornblättern. Phänomenal erscheint ein Bild, das geprägt ist von Gerhard Richters Südquerhausfenster vom Kölner Dom, welches aus rund 11.200 neun mal neun Zentimeter großen Farbquadraten besteht. Markens dagegen schuf in seinem Werk sogar insgesamt 18.800 farbliche Kleinstquadrate.
Den Abschluss vom Samstag bestritt die Band „Tanga Elektra“ im Zusammenspiel mit Johannes Bär und André Meisner. „Tanga Elektra“ ist eine Tech-Band aus Berlin mit englischsprachigen Eigenkompositionen, die sich bestens zum Tanzen eignen. Ihr gehören die Brüder David und Elias Engler an. Diese zeichnen sich durch grenzenlose Spielfreude und eine ungemeine Leidenschaft für spontan improvisierte Arrangements und unwiderstehliche Grooves aus. Frontsänger David bearbeitet hingebungsvoll seine Electric Violin und sein Keyboard und bedient die Loopstation, während Back-Sänger Elias mit Drums und Percussion bravourös umzugehen weiß.
Höfefestival geht noch bis zum 6. September
Mehr von dieser Formation (einschließlich Bär und Meisner) zuzüglich der britischen Jazzsängerin Dvora Davis gab es am Folgetag. Zugleich wurde am Sonntag auch das diesjährige Höfefestival (Hofkonzerte im Kreis Wesel) eröffnet, das wiederum bis zum 6. September geht. Vorher aber traten auf der Open-Air-Bühne noch der Chor „Musik Inklusive“, der ukrainische Frauenchor „Synergie“, der Singer-Songwriter „Der Spezi“ sowie Anja Bibby, eine Entertainerin aus Oslo, auf.
(reife juha )





